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Chorreise nach Prag
vom 2. - 5. Juni 2005

Im Frühjahr des Jahres 2005 unternahm der Stadtpfarrchor, in Begleitung des Hochw. Herrn Fabian Tirler, seines Zeichens Kooperator von Bruneck, eine Reise nach Prag, um daselbst, unter anderem, der Mozart-Oper "Don Giovanni" beizuwohnen und die "Missa in honorem B. M. V. de Loreto" von Vinzenz Goller im St.-Veits-Dom zur Aufführung zu bringen.

Am Morgen des 2. Juni um 07:30 Uhr also traf sich die fröhliche Gesellschaft auf dem Goetheparkplatz zu Bruneck. (Ähnlichkeiten zur Novelle von Mörike, "Mozart auf der Reise nach Prag" sind nicht zufällig und gewollt – er möge es mir nachsehen).

Und nun begann sie, die lang ersehnte und hart erwartete Reise nach Prag. In einem Konvoi aus Edelkarossen bewegten wir uns zum Airport nach Bozen. Ich muss gestehen, je näher der Start rückte, um so angespannter wurde ich und in diesem Moment hätte ich nichts dagegen gehabt, das Fluggerät gegen das Transportmittel Mozarts einzutauschen, welchen – immer laut Mörike – mit einem mit drei Postpferden bespannten Fuhrwerk, unterwegs war.

Als es dann jedoch nach einer Aufwärmrunde tatsächlich in die Lüfte ging, wich diese Anspannung der Faszination. Die Zeit verging wie im Flug (Kunststück). Nach einer knappen Stunde hatte ich meinen Jungfernflug überstanden und wir landeten gegen Mittag am internationalen Flughafen Ruzyné in Prag. Mit einem modernen Reisebus erreichten wir unser Quartier für die nächsten Tage im Zentrum von Prag – das Hotel Maria Prag. Dort wurden wir bereits sehnsüchtig mit einem Mittagessen erwartet und mein erster Kontakt mit dem köstlichen tschechischen Bier ließ Wunderbares erahnen. Gestärkt durch wunderbare Speise, begaben wir uns in unsere Gemächer – die Bezeichnung Zimmer wäre leicht untertrieben – und hatten anschließend die Möglichkeit, einen Erkundungsgang durch Prag zu tun. Es blieb vorerst bei einer Schnuppertour, um erste, vielversprechende Eindrücke zu sammeln. Frisch gemacht und in Schale geworfen, begaben wir uns am Abend zum Ständetheater, um am Ort ihrer Uraufführung, die Mozart-Oper "Don Giovanni" mit zu erleben. Und es war ein Erlebnis. Noch lange klangen die bezaubernden Melodien nach – besonders wo es da heißt: "...vorrei ma non vorrei". Mit einem gemütlichen Spaziergang durch die Gassen Prags zurück zum Hotel, ließen wir bei einem reichhaltigen Buffet diesen ersten Tag ausklingen.

Der 2. Tag, 03.06.2005 versprach schon wettermäßig prächtig zu werden. Gestärkt durch ein üppiges Frühstück, starteten wir gut gerüstet in den Tag. Pünktlich um 09:00 Uhr wurden wir von unserer Reiseleiterin Blanka Miková abgeholt. Mit der Straßenbahn ging es hinauf zum Hradschin, dem Prager Burgberg. Hier, neben dem Prämonstratenserkloster Strahov begann unsere Besichtigungstour. Vorbei ging es an diesem Kloster zur angrenzenden Basilika "Maria Himmelfahrt", in der die Reliquien des Hl. Norbert von Xanten, dem Gründer des Prämonstratenserordens aufbewahrt sind. Der weitere Weg führte uns zur Wallfahrtstätte Loreto mit der "Casa Santa" und der Kirche "Christi Geburt". Gegenüber des Loretoplatzes sahen wir das imposante Bauwerk Palais Czernín, dem Sitz des tschechischen Außenministeriums. Der weitere Vormittag war geprägt von Besuchen und Besichtigungen von Denkmälern, Palästen, Kirchen und Basiliken am und um den Prager Burgberg. Alle diese Sehenswürdigkeiten lösten unterschiedlich Staunen, Begeisterung, Faszination aber auch Ehrfurcht und Andacht aus. Eine besondere Erwähnung verdient der St.-Veits-Dom, wo allein schon das Warten bis zum Einlass zum Erlebnis wurde. "... Wer zählt die Völker, nennt die Namen ...?" – dies fiel mir ein, als ich die unzähligen Menschen sah, welche sich vor dem Dom versammelt hatten, um eingelassen zu werden. Etwas zu viel des Guten tat in diesem Moment die Sonne – denn ungetrübt brannte sie auf die Wartenden, welche sich nur schleppend Richtung Eingang bewegten. Als ich dann endlich das Innere der Kathedrale erreicht hatte, war ich benommen und überwältigt zugleich, von der Harmonie und der Andacht, welche dieser Raum ausstrahlte. Dieser Wirkung konnten auch die zahllosen Besucher nichts anhaben. Der Königspalast, die St.-Georgs-Basilika und das Goldene Gässchen, waren die letzten Stationen dieses Vormittags, denn zum einen brauchten wir jetzt Zeit die gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten und auf uns wirken zu lassen, zum anderen lechzten wir nach Nahrung, fester, aber vor allem flüssiger Natur, wozu auch die Sonne das ihre beigetragen hat. Gestärkt konnten wir dann nach etwa 2 Stunden mühelos das Nachmittagsprogramm in Angriff nehmen. Es führte uns in die sog. Kleinseite, zur St.-Niklas-Basilika und zu verschiedenen idyllischen Plätzen und Gärten dieses Stadtteils. Unter Schatten spendenden Bäumen oder in einer der gemütlichen Bierstuben am Kleinseitner Ring beendeten wir bei einem kühlen und erfrischenden Pils diesen Nachmittag.

Der Abend stand im Zeichen der Moldau. Auf dem Schiff „Andante“ (ma non troppo) wurden wir mit Becherovka begrüßt und anschließend mit köstlichen Speisen verwöhnt, während sich der Kahn in den Moldauschleusen versteckte. Außerhalb der Schleusen jedoch präsentierte sich das abendliche Prag von seiner romantischen Seite.

Der Morgen des dritten Tages, es war der 04.06.2005, hatte wiederum etwas mit Schleusen zu tun, es regnete nämlich wie aus solchen. Mit Schirmen und Regenschutz bewaffnet nahmen wir diesen Vormittag in Angriff und folgten unserer Reiseleiterin durch den Stadtteil "staré mesto" (Altstadt). Der Spaziergang führte uns vom Pulverturm, einem alten Prager Stadttor, vorbei an barocken Handwerkerhäusern, vorbei auch am Judenviertel mit der Altneusynagoge, durch die Fußgängerzone zum Altstädter Ring. Durch die engen Gassen der Altstadt, vorbei an der Karlsuniversität erreichten wir die Karlsbrücke über die Moldau.

Nach so viel Kultur tat es gut, den Nachmittag zur freien Verfügung zu haben – nicht tun, entspannen, Einkaufsbummel machen oder sich mitsamt dem Touristenstrom, der zu dieser Zeit Prag bevölkerte, durch die Straßen treiben zu lassen.

Was wäre aber ein Aufenthalt in Prag ohne "a richtig bähmischä Koscht", und dafür wurde am Abend im Restaurant "U Mlynáre" gesorgt. Es wurde ein Streifzug durch die typisch böhmische Küche – im Vergleich dazu bietet die typische Südtiroler Küche Diätkost. Es schmeckte aber vorzüglich. Dermaßen gestärkt ließen wir unseren letzten Abend in Prag gemütlich ausklingen.

Bereits um 08:00 Uhr des Sonntags, 05.06.2005 fuhren wir wiederum zum Hradschin um von dort zu Fuß zum St.-Veits-Dom zu gelangen. Als Höhepunkt und Abschluss unserer Reise hatten wir die Ehre, dort das Pontifikalamt mit Bischof Dr. Jaroslav Skarvada und Koop. Fabian Tirler mitzugestalten. Trotz äußerst spärlich besetzter Stühle – sehr zum Leidwesen des Bischofs – war es ein erbauendes Erlebnis, hier zu singen und Gottesdienst zu feiern.

Das anschließende (abschließende) Mittagessen im Hotel war der Schusspunkt unseres Aufenthaltes in der "Goldenen Stadt". Mit dem Reisebus ging es wieder Richtung Flughafen und von dort wiederum mit AirAlps zurück nach Bozen.

Ein großes Kompliment und mein aufrichtiger Dank den Organisatoren dieser Reise, allen voran Egon, Peter und auch Alfred, die keine Mühen gescheut und bereits im Vorfeld einige fast schlaflose Nächte in Prag in Kauf genommen haben, um zu gewährleisten, dass dieser Ausflug nach Prag für uns alle zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde.

Eine Rückblende von Norbert Pedevilla

 

Prag in Prägung!

Die Moldau zieht Dich magisch an –
hält in Bewegung Raum und Zeit –
es gleitet friedlich noch ein Kahn
in angemahnte Dunkelheit.
Die Kunst in Vielfalt – Stein und Sand –
geformt in edlem Monument –
in Burg und Ring Vollendung fand
und der Besucher Zuspruch kennt.
Steigt frühlingshaft der Sonnenstrahl
und wird erfasst der Sterne Zeichen –
die Rathausuhr trifft ihre Wahl –
lässt Glück und Leid entweichen.
Du bringst Dich ein in das Gescheh’n
nach Deiner Art und Lustbarkeit –
des Tages Länge wird vergeh’n
erwartet wird die Dunkelheit.
Im Antrieb mancher bunt’ Talente –
ein Kirchenchor Kultur erfasst –
schon längst den Überflug ersehnte –
im Luftraum frei nach Prag gerast.
Beeindruckt tief – im Sinnen frei
wird all die Möglichkeit nun klar –
ein „Don Giovanni“ möglich sei –
und „Goller“ kirchlich wichtig war.
„St. Veiter“ Dom und „Niklas-Turm“ –
Palast vom König – Karlsbrücke –
es überdauert manchen Sturm
wer „Nepomukens“ Fuß bedrücke.
Ein Aufschrei – denn es winkt die Pause
nach angeregtem Info-Spiel –
ein Pils mit böhmisch Brettljause –
war anfangs schon ein wichtig Ziel.
Gesättigt und im Wesen träge
hält Wissensdurst sich noch zurück –
Erkenntnis mich erfassen möge –
der Schönheit gilt ein weit’rer Blick.
Des Chores Mischung lässt erahnen
manch herzliche Begebenheit –
es schneiden sich des Kreises Bahnen
in ungeahnter Deutlichkeit.
So bleibet Dir ein Eindruck tief
vom Gaukler bis zum Musikant –
ein Bilderbuch – wer einsam schlief
und trotzdem die Erfüllung fand.
Und bleibet Dir ein Wunsch noch offen
im Angebot sehr reich und schön
am Ende bleibt ein weiter’s Hoffen –
im Kreise Dein – ein Wiederseh’n.
Vergangenheit – bewahr’ sie Dir –
der Abend wird sich schneller neigen
die Linie Dein sei eine Zier
die Moldau wird darüber schweigen!

Herbert Mahlknecht, 06.2005

 

 
     
 
 
 
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